LYRIK.

421.395.99° Kaleidoskop

Im Winter ist es zweifarbig. Die kühle Luft besteht aus zwei gleichen Farben. Im Frühling herrscht eine bunte Mischung zwischen Nässe, Trockenheit und milden Windstößen. Frühlingshafte Tage beinhalten selbstverständlich ebenfalls winterliche Eigenschaften.
Und der Sommer ist der Anfang. Zu Beginn erhellt der Überfluss die Straßen. Durchschnitt. Und es bleibt nicht konstant. Den Herbst gibt es nicht. Ich liebte den Herbst. Irgendwann verdrängt in einen toten Winkel.

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PROSA.

Der gespaltene Garten

Ein Blick zum dunklen Sternenhimmel und wieder zurück in die dunklen Augen, die ihren Blick streifen lassen über den Garten, deren Besitzerin mich führt in der warmen Sommernacht. Über dem Boden erstreckt sich weiches, saftig grünes Moos, obwohl der Wald nur die Lichtung umgibt. Wald

Sie gibt mir zu verstehen, dass ich die Augen schließen und mich weiterhin leiten lassen soll. Ich spüre die wachsamen, nachtaktiven Tiere um mich herum und gleichzeitig bemerke ich die Friedlichkeit der Atmosphäre. Es liegt eine innere Ruhe in der Luft. Ich bin schon wie in Trance, als ein Urzeitflugsaurier die Luft und zugleich die Stimmung zerschneidet und wie wild Achten am etwas vom Mond erhellten Himmel fliegt und kreischt. Ich öffne erschrocken die Augen. Er scheint die Situation komplett zerstört zu haben, den Frieden und die Ruhe. RehDoch dann erklärt die sanfte Stimme neben mir, die einen wahrhaften Kontrast zu dem Schreien des Urvogels schafft, dass sowohl Wildheit und Ordnung in einer Symbiose miteinander hier leben. Sich manchmal zwar gegenseitig ein wenig zurückdrängen, aber immer einen Weg finden, wie beide Platz in diesem wundersamen Garten finden. Der einerseits voller Geheimnisse steckt und der auf der anderen Seite auch sowohl offensichtliche Schwachstellen besitzt als auch vordergründig blüht wie eine Frühlingspflanze, nur dass sie keine ist. BlüteDie Fremde fügt außerdem noch hinzu und geht damit ins Detail, dass die Pflanzen hier eine Mischart zwischen Immergrün- und Nachtschattengewächsen seien. „Die Zypressen sind beständig und stark, aber sie sind normalerweise auch etwas monoton. Die nachtschattige Lebensader der Pflanzen jedoch sorgt für die richtigen Impulse. Sie lassen sie dunkel und mysteriös wirken“, sagt sie. HandWir gehen weiter und kommen an einem Gewässer an. Es ist trüb – das erkenne ich sogar bei Nacht. Und kreisrund. Die junge Frau erzählt von der unheimlichen Tiefe des Wassers und von dem magischen Wechsel zwischen Trübe und Klarheit. Es seien die Launen des Waldgeistes, sagt sie. Die Märchen von all den Wesen, die dort im Weiher hausen, habe ich schon fast alle wieder vergessen. Aber an eines erinnere ich mich noch deutlich: Ein Fisch schwamm einmal in seinem Zuhause, dem Bach, in der Nähe des besagten Gartens. Dann sah er den Waldgeist umherstreifen und seine Riten vollziehen. Er sah, die Schönheit, aber auch die Traurigkeit, die an ihm klebte. Er war fasziniert von ihm, sodass er zu ihm wollte. Doch konnte er nicht an Land und mit der alten Seele zu reden war ihm ebenfalls vergönnt, da diese immer nur schemenhaft auftauchte und niemals ein Wort sprach. Der Fisch gab jedoch nicht auf und lernte zu hüpfen. Es sah recht lustig aus, doch niemand lachte. Nur der Waldgeist. Halb aus Scham, halb aus Witz hallte sein Gelächter im düsteren Wald. Alle Wesen lauschten und waren erquickt am Klang dieses Lachens, sodass es kein Streit mehr gab und selbst die Urzeitvögel ihren Schnabel hielten. Die Pflanzen richteten sich auf und schauten neugierig. Sie zeigten in Richtung Waldgeist. Nun, da der Fisch den Sprung zwischen Bach und Weiher geschafft hatte, näherte sich auch langsam die Seele und sprach ein paar holprige Worte mit ihm. Dies rührte das Herz des Fischleins so sehr, dass es beschloss in dem Teich zu ruhen und dort zu leben. Eine Weile auszuharren, um nur selten wegzuspringen, um Nahrung zu finden. Denn der Fisch lebte von Lebendigem. Alle anderen Wesen des Gartens, bis auf die Besucher, sind eigentlich scheintot. Sie leben quasi von Luft und Liebe. Oder auch nicht. Und nun führt sie mich in die schwärzeste Ecke des Gebiets. Ich fühle Matsch und ekelhaft riechende Substanzen unterhalb von mir. Und schlagartig wird mir klar, wir stehen auf einem schmutzigen Berg voller Leichen. Angwidert verdrehe ich den Kopf. Doch sie versucht mich zu beruhigen. Es sei nicht gefährlich hier – am wenigsten für mich, meint sie. Mein blindes Vertrauen führt mich an einen Abgrund, in dem schwach noch mehr tote Lebewesen auszumachen sind. Sie zeigt mir ihre Ängste und ihre Vergangenheit, die unmittelbar miteinander verbunden sind. Ich will eigentlich nicht länger in die Schwärze schauen, doch sie signalisiert mir, dass sich hinter Hässlichkeit, Zerfall und Gewalt auch andere Dinge, wie zum Beispiel Verletzlichkeit, Leichtsinn und Unschuld verbergen können. Ich nicke verstehend und wir gehen zurück. Mir ist ganz kalt geworden, also geleitet sie mich in eine Stube, die provisorisch aus Holzlatten zusammen gebaut ist. Dort brennen vereinzelt kleine Kerzen, die einen unheimlich wärmen. Es ist unglaublich, aber tatsächlich fühle ich mich innerhalb von Sekunden wieder wohl mit der Temperatur. Ich sehe im Kerzenschein einen Skorpion, der aus arroganten Augen schaut und dessen Giftschwanz ruhend und doch zum Angriff bereit abgelegt ist. Nach einigen weiteren Wortwechseln zwischen mir und der Unbekannten verzieht er sich in ein Loch und pfeift vor sich hin. Ich spüre allmählich die Anwesenheit eines zweiten Waldgeistes. Er ist nicht zu sehen. Aber dennoch hier. Er versteckt sich in der Ecke. Er muss dort stehen und still sein, sein telepathisches Sprechorgan ist symbolisch mit Kreppband zugeklebt, sodass er sich erst mit Kraft befreien müsste, um seinen ohnehin unerwünschten und unnötigen Senf dazu geben zu können. Aber er ist Teil der Hütte, erklärt die nun nicht mehr gänzlich Fremde. So wie alles hier. „Und du kannst auch deinen Platz finden. Wenn du möchtest. Du kannst gehen und kommen, wann du willst. Nur merke dir eins: Du wirst Spuren hinterlassen, die andere Gäste wiederum dazu bewegen, diese Spuren entweder zu verwischen oder zu einer heiligen Gedenkstätte zu machen. Sei dir bewusst, dass alles, was du hier tust oder lässt, mehr oder weniger tiefe Furchen nach sich ziehen wird. Zudem zerfällt hier nichts. Lässt du etwas hier zurück – und sei es nur ein Wort, ob freundlich oder garstig, es bleibt und verweilt, bis unsere Zwillingsgeister einen anderen Ort auserlesen zum spuken.“ SchereMit diesen Worten verstummt sie und andere Gäste kommen zum Vorschein, die gemütlich im Kämmerlein sitzen. Darunter befindet sich ein hässlich kuscheliger Bär, mehrere nette und liebenswürdige Krebse und sogar ein paar sehr schöne und lustige Fische im Aquarium. Die Eichhörnchen draußen knabbern regelrecht laut an ihren Nüssen und erinnern mich ans Gehen. Eigentlich fühle ich mich am richtigen Ort hier, doch es ist Zeit. Ich verlasse den Garten durch eine heftig klemmende, weder geölte noch sonstwie gepflegte Tür, verabschiede mich voller Neugier von der neuen Bekanntschaft und bin wieder in der Wirklichkeit. Ich sehe die rote Linie, die mich nach Hause führt. Es geht kinderleicht und ich bin angekommen – in meinem immerblühenden und Funken sprühenden Seelengarten.

Tor

DRAMA.

Dich

A: Ich sehe dich.
B: Dich, was heißt das?
A: Na dich – dich.
B: Mich.
Mich, meinen Körper?
Mich, meine Seele?
Mich, meinen Charakter?
Meine Hausschuhe?
Mich, meine Fehler?
Meine Vergangenheit?
Meine Zimmerpflanze, die sich in meinen glasigen Augen widerspiegelt?
Oder mich, einfach nur mich??
A: Dich. Einfach nur dich.

GEDANKEN.

Hochmütige Anläufe

2


Das immune Gegenstück zur Selbstständigkeit der Gedanken richtet sich wie das Auge einer Fliege in Richtung dampfender Ereignisfreudigkeit, voller Überraschungen hinsichtlich Überwindung der Monotonie und alltäglichen Langeweile im Gedächtnis von unverborgenen Gewissheiten.
Beinahe verkörpert der Geruch von Vitalität und Zerstörung die Erfüllung eines lang ersehnten Wunsches. Im Topf brodelt jedoch die falsche Zutat für einen großartigen Erfolg.

GEDANKEN.

Einbrechende Blicke

Collage LR (6 von 17)

Bald gibt es keine Geheimnisse mehr. Alle Wunder entschwinden mit der gewaltsamen Öffnung der bis jeher verhüllenden Schale.

Bald gibt es keine Geheimnisse mehr. Der Schutz lässt nach, mein Verstand verabschiedet sich von dem längst ins Rollen gebrachten Stein, der die Hülle zerstört und den Schleier durchschneidet, gewaltsam und doch geschickt. Wunder entschwinden und geborgene Dunkelheit wird grell erleuchtet, während das Rätsel geöffnet und seziert wird.

Bald gibt es keine Geheimnisse mehr.
Die Gewalt spiegelt sich in meinem Auge wider, ohne dass ich sie sehen kann. Doch alle beobachten mich, und mich, die nicht kann und doch ist und mich, die nicht will und die muss.
Eine Aufführung, der ich nicht gewachsen bin. Ein Spiel, dem ich den Rücken zukehre. Und doch, es bin ich.

 

LYRIK.

Sehnsucht nach Inspiration

Die Kreativität bleibt mir fern.
Ich blicke stur geradeaus,
Doch alles, was ich sehe, ist Leere.
Bin umgeben von diesem und jenem,
Aber die Kreativtät bleibt mir fern.
Ich will zeichnen, schreiben, malen.
Formen, Worte, Farben
Schwirren umher.
Hier und da
Und in meinem Kopf,
Aber bilden keinen Knoten,
Denn die Kreativität bleibt mir fern.
Ich sehne mich nach Inspiration.
Und durchsuche mein Bewusstsein
Nach Lösungen, Ideen, Visionen.
Doch weiß ich nicht, wo sie sind.
Da wird mir klar,
Ich kann es nicht.
Und gebe auf.
Resigniert.
Und frage mich:
Weshalb bleibt mir die Kreativität nur so fern?

winterdreams 002