DRAMA.

Liebe für Anfänger

Regie: Eine seltsame Stille herrscht im Lehrerzimmer. Alle schauen betreten zu Boden oder zum Fenster oder auf ihr Mittagessen. Die Stimmung ist recht gruselig.

Lehrer 1:
Die Frage, die mir meine Frau tagtäglich stellt, ist extrem schwer zu beantworten. Seitdem unsere Tochter eine Familie gegründet hat, wissen wir nicht, wie wir ihr und unserem Schwiegersohn das Geheimnis der unendlichen Verbundenheit beibringen können.

Lehrer 2:
Es ist ganz einfach. Jedes Kind weiß doch, wie dieses „Geheimnis“ zu lüften ist.

Lehrer 1:
Aha!!! Das interessiert mich jetzt doch tatsächlich sehr. Sie triggern meine Neugierde bis aufs Blut.

(eine kurze, erstaunlich unsichere Gesprächspause entsteht)

Heraus mit der Sprache. Jetzt sofort!

(In Gedanken: „Und wehe, Sie sagen nicht die Wahrheit. Dann hetze ich alle meine Dämonen vergangener, fehlgeschlagener Beziehungen auf Sie.“ Ein verträumter und doch zorniger Blick breitet sich im von Falten gereiften Gesicht aus.)

Lehrer 2:
Also. (räumt sich per Körpersprache den nötigen Respekt ein. Im Grunde genommen noch ein bisschen mehr als nötig)
Sie brauchen dazu ein geeignetes Haustier für das neue Kind in der Familie. Zum Beispiel ein kleines Nagetier mit Herz. Dieser seelische Verbündete wird dann immer wieder das Kleinkind darauf hinweisen, wozu es seinen Verstand am besten einsetzen soll. Ganz einfach. (streng)

Lehrer 1:
Das ist mir jetzt zu verschwurbelt. Ich merke, Sie sind heute nicht so ganz bei der Sache. Benötigen Sie vielleicht eine etwas längere Pause für den heutigen Arbeitsalltag? Ich kann es mit dem Schulleiter abklären. Oder ein paar Schmerztabletten? Schlaftabletten? Ich habe alles von der Apotheke gebunkert, was man im Notfall gebrauchen kann. Meine Frau hat doch früher dort als Putzfrau gearbeitet. Ich weiß ganz genau, worauf es im Leben ankommt. Auf die Gesundheit des physischen Körpers. Nur darauf. Der Rest ist unwichtig.

Lehrer 2:
Ihr Körper ist jetzt einmal still. Das heißt: Ihr Mund bleibt zu. Ihre Zunge drückt sanft gen Gaumen. Und ihre Beine verweilen ruhig der Symmetrie entsprechend mit möglichst eindeutigem Kontakt zum Boden. Ihr Po befindet sich dabei auf dem Kissen oder der harten Sitzoberfläche. Je nach Präferenz.
So. Sobald Sie dieses Hexenwerk vollbracht haben, hören Sie mir bitte ganz genau zu. Und ich bitte Sie inständig darum, nicht das Atmen dabei zu vergessen. Sonst kann es zu Unfällen der abenteuerlichsten Art kommen.

Regie: Lehrer 1 schweigt voller Ehrfurcht. Er weiß nicht genau, ob er lachen oder weinen soll. Doch eine Millisekunde, nachdem dieser Gedanke der Vergangenheit angehört, kennt er die Antwort. Weinen reinigt.

Ich freue mich ungemein über Ihre Hingabe zur liebevollen Mitarbeit. Das ist wahrlich das absolute Gegenteil von Vertrauensmissbrauch.
Aber zurück zum Thema: Liebe, auch bekannt als unendliche Verbundenheit im Geiste, kann man lernen. Man kann zumindest lernen, sie zu verstehen. Am besten fängt man dabei klein an. Wenn das Kind ihrer Tochter ebenso klein ist, dann haben wir hier die idealen Voraussetzungen. Grundsätzlich ist eines zu beachten. (zwinkert auf mysteriöse Art allen Anwesenden und Abwesenden gleichzeitig zu)

Ist der eigene Bezug zu einem tierischen Seelenbegleiter einmal hergestellt, so lässt er sich kinderleicht auf ein beliebiges Gegenüber übertragen. Allerdings muss das Gegenüber auch offen dafür sein und den Ball der Liebe zu fangen im Stande sein.

Regie: Ein Schwarm wilder weißer Friedenstauben saust am Fenster vorbei. Alle werden wach und fallen aus ihrer Starre heraus. Lehrer 2 flüstert liebevoll in jedes Ohr folgende Worte: #endzeit #vibes. Lehrer 1 verweilt verstört und doch immer klarer im Kopf im Stuhl der Erkenntnis.

Stimme aus dem Off: Die Welt steht auf Affenpocken! Geil, wie alle darauf hineinfallen. Der Ständer der widerlichen Lügen wird nicht schlapp. Drehen wir morgen den nächsten Porno?

Alle stehen auf Sex…
Definitiv stehen alle auf Sex!
Alle stehen doch auf Sex,


Ist es nicht so?

DRAMA.

Wissenschaft

FAZ: Wie kreiert man ein Perpetuum Mobile?
Technik: Indem man etwas opfert, was schon da ist. Zum Beispiel nimmt die künstliche Intelligenz ein natürliches Messer in ihre Alien-Hand und schneidet damit in den Arm einer realen Frau. Dann geht es darum, dass die böse Zwillingsschwester diesen Ball fängt und dann, meine sehr verehrten Lehrer der Neuzeit, zielt diese politische Rede darauf ab, Folgendes in die Wirklichkeit zu übersetzen:

DRAMA.

Schutzbrillen im Gespräch

A: Fragen Sie mich nichts mehr. Ich reagiere allergisch auf erwartungsvolle Augen. Man bräuchte eine Brille, die die Augen des Gegenübers ausblendet oder schwärzt. Ja, das wäre eine wundervolle und sorgenfressende Erfindung für die Menschheit. Vielleicht noch ein paar Glitzerperlen an den Rand des Brillengestells und fertig ist der neue Trend.
Wieso sollte man sich ständig dem unsichtbaren Aussagestrom seines Gesprächspartners aussetzen, wenn man ihn auch abstellen könnte?

B: Eine ausgezeichnete Idee, wie ich finde. Ihnen gebührt mein voller Respekt. Wie immer.

A: Sie müssen mir nicht nach dem Mund reden. Es reicht, wenn Sie Ja oder Amen sagen. Dann weiß ich Bescheid und Sie müssen sich nicht allzu sehr anstrengen, mir irgendwo hinzukriechen.
Also zurück zur Technologie. Wahrscheinlich ergibt es wenig Sinn, die Augen schwarz erscheinen zu lassen. Man sähe sowieso noch die Bewegung und die Blickrichtung. Das wäre schon zu viel der Preisgabe.
Nebenbei gesagt bin ich dafür, dass das Tragen der Brille auf Gegenseitigkeit beruhen sollte. Von mir aus können Liebespaare ohne Schutz Blickverkehr betreiben, aber ich schätze, es würde jeder nicht-intimen Beziehung gut tun, den Blickkontakt zu unterlassen.
Man denke nur an die weiten Felder des menschlichen Verstandes, die sich dermaßen ausweiten würden, dass die Ratio nicht mehr durch die soziale Komponente eingeschränkt ist.
Aber wie auch immer die Zukunft damit aussehen mag, kümmern wir uns erst einmal um die Konstruktion des Modells.

B: Ich muss mich entschuldigen. Ich bin irgendwie überfordert von Ihren Gedanken.

DRAMA.

Veräppelungsstrategien in der Messenger-Kommunikation

Regie:
Frau mit Krawatte und Anzug steht vor einem Whiteboard mit Stift in der Hand.

Frau:
Herzlich Willkommen, meine sehr verehrten Damen und Herren.
Heute greife ich wieder, exklusiv für Sie – ganz tief – in die Trickkiste der Chatroom-Veräppelungsstrategien.
Jeder von uns kennt das traurige Gefühl, wenn man nach einem zunächst lebhaften Chatverlauf plötzlich keine Antwort mehr erhält – aus heiterem Himmel. Ohne einen logisch nachvollziehbaren Erklärungsansatz dafür finden zu können, fragt man sich dann meist noch wochenlang nach dem überraschenden Ereignis: Worin besteht eigentlich der Sinn dieser grausamen Ignoranz?
Nun, meine sehr verehrten Zuschauer: Auch ich kann Ihnen keine Antwort auf diese legitime Frage geben. Jedoch kann ich Ihnen beibringen, wie Sie dieses Verfahren selbst anwenden können, falls es Ihnen bedauerlicherweise viel zu leicht fallen sollte, einen bestehenden Kontakt aufrecht zu erhalten:
Zunächst einmal benötigen Sie hierzu ein geeignetes Soziales Netzwerk, beispielsweise Facebook.

Regie:
Mensch mit Smartphone ist zu sehen. Die Person klappt das Handy auf. Checkt ihre Facebook-Nachrichten, klappt es zu und wieder auf, checkt wieder Nachrichten. Insgesamt drei Wiederholungen mit steigernder Mimik. Enttäuschung und Sucht kommen zum Ausdruck. Lächerlich wichtig nimmt sie es.

Frau:
Nachdem Sie nun lange genug auf eine Nachricht von einer Ihnen weniger nahestehenden Person gewartet und ebendiese dann doch endlich irgendwann empfangen haben, greifen Sie also seelenruhig und gefasst zu Ihrem Smartphone.

Regie:
Mensch greift zu, wie besessen.

Frau:
Als nächstes lesen Sie die Nachricht der Ihr bekannten Person und stufen erstere als eine unwichtige Nachricht ein. Dies tun Sie mit einem Stolz und einer Erhabenheit, die Sie von Ihrem schlechten Gewissen befreien, jemanden eiskalt zu ignorieren.

Regie:
Mensch liest Nachricht, nickt und legt Handy weg.

Frau:
Nachdem Sie nun diesen ersten Schritt zur Vorbereitung der „Ghostingmethode“ getan haben, folgt der nächste:
Verbinden Sie sich nun sowohl Augen als auch Ohren und nehmen Sie ein Stück Obst in den Mund, zum Beispiel eine Orange.

Regie:
Mensch tut dies.

Frau:
Somit können Sie nun weder eine Vibration noch einen Klingelton ihres Smartphones hören, noch das Erscheinen einer Pushnachricht sehen, noch sonstigen Kontakt mit der Außenwelt aufnehmen.

Regie:
Mensch liegt in dieser Aufmachung im Bett.
Frau leitet mit einer aufgesetzten Handbewegung das Schlusswort ein.

Frau:
Ein herzliches Dankeschön fürs Zuschauen – Ich hoffe, der Beitrag hat Ihnen gefallen – Abonnieren Sie gerne meinen Kanal, meinen Newsletter und den Instagram-Kanal meiner Katze – Bleiben Sie gesund und munter – Auf ein nächstes Mal, wenn es wieder heißt: „Unsozial auf Social Media – auch DU schaffst es!“

DRAMA.

Ich habe es

A: Ich habe es.
B: Was hast du?
A: Den Teil, den jeder an sich vermisst.
B: Und was soll das bitteschön sein?
A: Ich weiß nicht – das müsstest du doch eigentlich wissen.
B: Und woher weißt du dann, dass du es hast, wenn du nicht weißt, was es ist?
A: Ich verkörpere alles, wonach sich jeder Mensch sehnt.
Regie: Strahlen schießen aus dem Kopf von A. Buntes Konfetti kommt vom Bühnenhimmel.
B: Oh, das nimmt jetzt aber groteske Züge an. Ich weiß nicht, was ich davon halten soll.
A: Sieh‘ hier:
Regie: A zaubert einen Stein in Form eines Menschen aus seiner Brust.

DRAMA.

Dich

A: Ich sehe dich.
B: Dich, was heißt das?
A: Na dich – dich.
B: Mich.
Mich, meinen Körper?
Mich, meine Seele?
Mich, meinen Charakter?
Mich, meine Fehler?
Meine Vergangenheit?
Meine Zimmerpflanze, die sich in meinen glasigen Augen widerspiegelt?
Oder mich, einfach nur mich??
A: Dich. Einfach nur dich.