LYRIK.

Du bist hässlich

Du kannst eine perfekte Figur haben
Du bist trotzdem hässlich
Dich will doch niemand anschauen

Du magst wunderschöne Brüste haben
Das Wort „attraktiv“ verdienst du trotzdem nicht
Weder Mann noch Frau will dich
Nicht einmal du selbst dich

Du hast blonde, lange Haare
Dennoch strahlst du nicht
Bist einfach trotzdem hässlich

Von mir aus
Hast du sogar ein hübsches Lächeln
Mit charmanten Grübchen im Gesicht
Doch das macht dich auch nicht besser

Du bist hässlich
Du bist so ekelhaft
Widerwärtig
Abgrundtief
Einfach nur POTTHÄSSLICH

Denn du verachtest Menschen
– Ihn
– Sie
– Mich
Und es werden immer mehr!

LYRIK.

Racherituale

Tränensäcke
Immerzu so schwer

Dornentränen
Fließen langsam
In Ecken
Auf meinem Körper
Hin und her
Hinterlassen ihre Spuren
Rot und blutig
Kalt
Wie deine Augen
Doch lange nicht so leer

Dornensäcke
Greif mir einen
Greif mir mehr
Denn eines Tages
Reift der Dorn
Zu einem Speer

LYRIK.

La Isla de las Muñecas

Höre meine Vernunft
Gib mir ein unsterbliches Lächeln
Bevor mein letzter Atemzug im Meer versinkt
Meine Wünsche sind im Wind verstreut
Und keiner sucht mich mehr

Gehorche meiner Vernunft
Ziehe dahin, ziehe weg
Frag nicht mich, warum

Für einen Moment fühlte ich die Ewigkeit
Dann wusste ich:
Es war nur ein langer Augenblick

Zwischen hier und dort
Wie konnte mich das Leben loslassen, fallen lassen,
Ziehen lassen

Ich konnte nicht gehen
Ich konnte mich nicht gehen lassen

Das nächste Mal fange ich anders an
Ich gehe mit dem Leben
Ziehe mit den Kreisen
Verursacht durch einen Tropfen
Auf der Meeresoberfläche
Lege mich zu Boden
Sachte in die Erde

Und am Morgen werden die Gesichter
Eurer vielen Puppen strahlen
In einem Lächeln, das unsterblich ist

LYRIK.

CORONA

Resistenz-Gedanken

Es zwingt uns in die Auszeit
Wir schweben in einem Tal
Beginnend zu lernen
Wie es ist
Ohne Luft zu atmen
Eine Blase aus Selbst
Ein Schnitt mit der Außenwelt
Und es geht weiter
Im Stillen
Wo es anfängt zu brodeln
Vor Sehnsucht
Nach Leben
Eine Spannung
Getrieben
Von Enge

Auf die verzweifelte Hoffnung
Kein Stein im Spiel zu sein
Sich Teil des Dominos nennen zu müssen
Und stets
Der Versuch einer hartnäckigen Illusion
Auf unantastbares Leben
Folgt
Verrennen in einer Not
Geprägt von Ängsten

Die Existenz eines Virus‘
Als Spiegel für das Sein des Menschen
Unzerbrechlich?

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Mit: Stefan Seffrin als LES ARTISTES

LYRIK.

Gleichermaßen

Uhren im Schnelldurchlauf
Rasen um die Zeit herum
Kein Stoppen
Kein Vergeben
Weder vegetieren
Noch verlieren

Wo bleibt das Netz
Streckt man Hände aus
Greift man eine Ziffer
Hallt wider im stummen Blatt

Staune leise
Vor meiner Nase hält der Zeiger
Richtet sich zurück
Zeigt wiederum auf mich

Ich schätze es fehlt an Takt

Nahtlos weiter geht der Kreis
Vom Ende bis zum Anfang
Heftig schreibt der Zeiger die Geschichte

Ein Blatt beschrieben
Mit Ziffern von A bis Z
Geschichten von Rot bis Schwarz

Namen von dir zu mir

Und rundherum
Einige Steine
Die danach schleudern
Anzuhalten
Scheint das Wort
Das durch die Nadel drückt

Und gleichzeitig setzt sie wieder an
Hört nicht auf
Zeigt heute auf mich
Morgen auf sie

So nah so fern
Und immer

Weit von allen Sorgen

0013 Kopie

LYRIK.

Zauberei

Gefressen werden
Ich halte es nicht mehr aus
Simsalabim
Auf Zehenspitzen
Ins Wanken kommt mein Gehirn
Abrakadabra
Wohl überlegt
Der Salat hält mich nicht gesund
Hokuspokus
Moment Moment
Die Züge rasen im stillen Gedenken
Die Züge rasen um die Wette
Die Züge rasen und rasen weiter, weiter, überholen mich, weiter, immer weiter

Zugleich ereilt mich ein Watteknäuel
Zugerichtet wie ein armes Zwillingstier
Ich bettele um 100 Watt
Im Bericht des guten Wetters

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Mit: Xiaoyin Wang

 

LYRIK.

Am Zwielicht nicht erstickt

Schweiß und Tränen perlten an ihrer Gänsehaut hinab

„Wo findet man Steine, an denen man sich nicht verschluckt“
Sagte sie
Von mir kam keine Antwort
Jedenfalls keine, die sie sehen konnte

Hören konnte ich wieder und wieder fragende Blicke

Diese laute Stimme in ihrem zarten Tonfall erschrak mich
„Ich sehe dich“
Erzählte ich ihr
Verschlungene Augen und hungrige Ängste ließen sie in mir erzittern
Meine Kontrolle drohte ihren Halt zu verlieren
Nur atmen durfte sie

Ein Zwielicht teilte sie

„Wer ist schuld. Woher kommst du“
Stand im Raum dazwischen
Fühlen konnte dadurch niemand mehr

Und fester hielt das Dunkel ihre Schwäche

„Mach mit“
Fragte ich mich dann

Und nie wieder

Bild 4
Mit: Marie Böffgen & Saher Abdulraouf