LYRIK.

Wendeltreppe

Aufwärtsspirale
Abwärtsspirale
Auf und ab gehen
Hoch und runter gehen
Nach links und rechts schauen
Nach hinten, nach vorne schauen

Rückschritte machen
Fortschritte machen

Oder sich im Kreise drehen

Du musst nicht die komplette Treppe auf einmal gehen
Sondern nur die nächste Stufe
Schritt für Schritt

Im Treppenhaus
Schritte hören
Stimmen hören

Ich bilde mir viel ein
Wenn der Tag lang ist
Einbildung kann Vieles sein
Manchmal bilde ich mir heute ein
Dass der Tag morgen besser wird

GEDANKEN.

Aus Stein

Mein Mund ist wie gelähmt, betäubt, versteinert. Ich kann nicht reden, nicht lächeln, nicht schreien. Ich fühle mich wie in einem engen Gefängnis. Auch bekannt als Zwangsjacke. Da komme ich so schnell nicht raus. Ich stecke fest. Vielleicht bin ich auch schon festgewachsen, wer weiß.
Jedenfalls ist diese Jacke aus Stein. Kein Entkommen möglich. Eingemauert.
Irgendwann in ferner Zukunft bröckeln vielleicht einzelne Steine, aber ganz ablegen können werde ich sie nie.

LYRIK.

Samstag

Es ist Samstag
Alle sind gut drauf
Manche gehen ins Fußballstadion
Und fiebern mit
Manche gehen joggen
Und halten sich fit
Es ist Samstag
Ein Tag
Um sein Leben zu genießen
Ein Tag
Um zu entspannen
Ein Tag
Um glücklich zu sein
Es ist Samstag
Morgen ist Sonntag
Und übermorgen Montag
Die Arbeit beginnt von vorne
Die Zeit schreitet voran
Dreht sich nicht um
Nach hinten oder nach links, rechts
Aber ich.
Ich blicke zurück
Ich stelle mir vor
Ich weiche der Realität aus
Links, rechts
Drehe mich nochmal im Bett
Links, rechts
Schaue nach hinten
Erinnere mich an
Wochenenden die einsam waren
Die nicht wirklich stattgefunden haben
Weil ich höchstens körperlich anwesend war
Aber nichts ist passiert
Heute ist Samstag
Ein Tag zum Dichten
Und zum Schlichten
Von inneren Konflikten
Morgen ist Sonntag
Und ich wette
Danach kommt Montag

PROSA.

Wände aus Gedanken

Sie ist eingeschlossen von unausgesprochenen Worten. Die Verdichtung engt sie ein. Es gibt keine Türen und keine Fenster. Was es gibt, ist ein unsichtbares und unhörbares Stimmengewirr um sie herum. Es wird mit der Zeit immer dichter und sogar wahrnehmbar fordernder. Verwirrender. Verurteilender. Verletzender.

Ich spüre mich selbst nicht mehr
Die Wände sind hart und kalt
Zwischen mir und den anderen Menschen existieren nur konfuse Gedanken

Sie werden vielleicht im Hier und Jetzt nicht ausgesprochen
Im Damals oder im Bald könnten sie jedoch hörbar sein
Ein Echo der Vergangenheit verfolgt mich

Die Angst vor der Zukunft schnürt mir die Kehle zu
Die Wände bieten keinen Ausgang

Ein Blick nach oben ändert ihre Perspektive. Ein Seil wird heruntergelassen, um ihr Flucht zu gewähren. Sie greift danach. Dann hält sie inne und nimmt einen Stift. Die Wände werden beschrieben mit Antworten. Mit Erwiderungen. Mit Verboten. Mit Wutanfällen und Drohungen. 

Sie wirft den Stift gegen die Wand. Und wartet. Wenn es jemand vedient hat, die Kontrolle einmal zu verlieren, dann sie. Anders kann man das Folgende nicht mehr beschreiben: 
Sie schimpft und schreit und boxt gegen die Wände. Tritt gegen sie. Bis ihre Knöchel, Knie und Füße bluten. All die Worte zerfließen und verstummen ruckartig. Ein Staunen liegt in der Luft. Eine angespannte Atmosphäre der Angst und Panik ebenfalls. Bewunderung schleicht sich ein. Und Stolz. Die Wände sind derweil längst zu Boden gefallen. Sie ist frei und kann entfliehen.
Keuchend und verwundet schleicht sie sich weg. Ein Blick zurück verschafft ihr noch einen letzten Stolz. Lächelnde und nickende Gesichter wünschen ihr das Beste auf ihrem Weg nach Hause.

Doch sie geht nicht nach Hause; sie geht hinaus in die Welt, da sie es nun geschafft hat, sich zu befreien. Sie wird nun ihr eigenes Leben leben, nicht das Leben anderer.

GEDANKEN.

Eine Zugfahrt

Wir verlassen das Haus und brechen auf
Wir fahren Zug und haben keine Langeweile 
Wir hören Musik und fühlen uns gut
Wir denken nicht an Probleme von gestern, heute oder morgen 

Eine Zugfahrt
Die ist lustig
Die ist schön
Hören wir Musik
Ist sie episch
Ist sie traurig 
Schauen wir aus dem Fenster
Sehen Wald & Wiese
Sehen Feld & Welt
Sehen Bach & werden dabei schwach
Vielleicht auch wach
Eine Zugfahrt 
Die ist lustig
Die ist schön

GEDANKEN.

Mund

Du hast doch einen Mund!
Dein Mund ist zum Reden da,
Zum Diskutieren
Zum Streiten,
Zum Schreien,
Zum Rechtfertigen.

Dein Mund ist da,
Damit du etwas sagst,
Damit du dich wehrst,
Damit du für dich einstehst,
Du hast doch einen Mund!
Benutz’ doch deinen Mund.

Halt doch deinen Mund.

Foto: Martina Grabinsky
GEDANKEN.

Unnötige Gedanken

Mein Kopf denkt unnötige Gedanken
Kennst du das auch?
Mein Gehirn kommt immer wieder ins Wanken
Fehlt dir der Hauch?

Ein Hauch des Lebens
Des ewigen Strebens

Verzaubert will ich sein
Und selbst verzaubern
Ich bau mir einen Schrein
Will nicht mehr zaudern

Eins jagt das andere
Ständig hinterher
Viel lieber wandere
Ich im Weltenmeer