GEDANKEN.

Heiß

Lose zitterte meine Hand vor sich hin und her

Ich raffte meinen Rock und blickte der glühenden Abendsonne entgegen

Wenn mich jemand verdient hatte, dann sie

Warum verbrachte der Schnee seine Zeit im schmelzenden Höllenland

Ich verstand die Welt nicht mehr

collage Hand

LYRIK.

Gleichermaßen

Uhren im Schnelldurchlauf
Rasen um die Zeit herum
Kein Stoppen
Kein Vergeben
Weder vegetieren
Noch verlieren

Wo bleibt das Netz
Streckt man Hände aus
Greift man eine Ziffer
Hallt wider im stummen Blatt

Staune leise
Vor meiner Nase hält der Zeiger
Richtet sich zurück
Zeigt wiederum auf mich

Ich schätze es fehlt an Takt

Nahtlos weiter geht der Kreis
Vom Ende bis zum Anfang
Heftig schreibt der Zeiger die Geschichte

Ein Blatt beschrieben
Mit Ziffern von A bis Z
Geschichten von Rot bis Schwarz

Namen von dir zu mir

Und rundherum
Einige Steine
Die danach schleudern
Anzuhalten
Scheint das Wort
Das durch die Nadel drückt

Und gleichzeitig setzt sie wieder an
Hört nicht auf
Zeigt heute auf mich
Morgen auf sie

So nah so fern
Und immer

Weit von allen Sorgen

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GEDANKEN.

Seelenfahrt

Ein Kreis und ein Auge, das ihn umschließt, weisen mir den Weg zu vielen Fragezeichen, deren Ende sich in der Feuchtigkeit der runden, weißen Äpfel sammelt.

Ich steige auf ein Schiff und begebe mich auf eine Reise, hinein in den Blick. Segele durch die schwarze Nacht, durch Dickicht und verschmutzte Routen.

Meinem eigenen Schrecken begegne ich dort von Zeit zu Zeit. Die Fahrt erinnert mich an eine Geisterbahn – gebündelte Furcht und Adrenalin rennen um die Wette.

Meine Entschlossenheit jedoch wird nicht schwach.

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PROSA.

Der Kopf

Laute aus meinem Mund, die erzeugt werden mussten und Worte, die eine Illusion präsentieren. Ein Brummen, dass das Schauspiel perfekt macht. Eine rundum gelungene Täuschung. Und das für eine nette Summe.

Die Grenzen sind nicht klar. Die von Geld hypnotisierten Augen können die Warnsignale nur schwach bis gar nicht erkennen und selbst, wenn sie vor ihnen deutlich aufleuchten, verschließen sie sich und gehen blind über die Barriere. Doch, sollte dahinter ein Abgrund lauern, so sind sie taub für jeglichen Rat und kennen keine Zurückhaltung. Stufenweise sinken sie herab und registrieren den stummen Fall nicht einmal. Der langsame Verbrauch, die Verdorbenheit, die mit dem Fallen einher geht, bleibt ihnen verhüllt. Sie verschlingen das Geld und dursten jedes Mal nach mehr – es ist nicht mehr gesund. Wie besessen, raffen sie nach dem nächsten Reiz.

Die Stimmen von außen sind so leise und bedeutungslos im großen Kopf. Es treibt höchstens ein Wind auf dem kleinen Meer, der meist still im Kopf verweilt und der Ideen ans Ufer spült, die von unterster Tiefe des Meereshalses kommen und da vielleicht doch besser hätten bleiben sollen.

Wie Hyänen mit feuchten Mundwinkeln, warten sie auf den nächsten Betrag. Es sind kleine Monster im Gewässer, die gefüttert werden möchten.

Sie spucken ihre Perlen vor die Säue und wachsen durch den Tausch immer weiter. Sie gedeihen und schießen in alle Richtungen, sodass bald kein Platz mehr ist im Kopf voller Wasser.

Doch es kommt der Zeitpunkt, an dem das Getier einer unberechenbaren Macht zum Opfer fällt. Die Flüssigkeit schwappt über und dringt aus allen Öffnungen. Nichts bleibt zurück als Leere.

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Mit: Saher Abdulraouf
LYRIK.

Zauberei

Gefressen werden
Ich halte es nicht mehr aus
Simsalabim
Auf Zehenspitzen
Ins Wanken kommt mein Gehirn
Abrakadabra
Wohl überlegt
Der Salat hält mich nicht gesund
Hokuspokus
Moment Moment
Die Züge rasen im stillen Gedenken
Die Züge rasen um die Wette
Die Züge rasen und rasen weiter, weiter, überholen mich, weiter, immer weiter

Zugleich ereilt mich ein Watteknäuel
Zugerichtet wie ein armes Zwillingstier
Ich bettele um 100 Watt
Im Bericht des guten Wetters

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Mit: Xiaoyin Wang