RATGEBER.

Ins Internet gehen

Wie die virtuelle Welt dein Leben verändern kann

Du hast Lust, dich aktuell, sexuell oder intellektuell in den (sozialen) Medien auszutoben? Du weißt nicht, welche Vor- und Nachteile die jeweiligen Plattformen bieten? Du fürchtest dich vor möglichen Risiken und Nebenwirkungen der Bewusstseinspille, genannt digitale Öffentlichkeit? Dann gibt es nur einen Weg: Ausprobieren. Erfahrungen sammeln. Dazu lernen und verstehen, was es bedeutet, vom Phänomen „Lernen“ fasziniert zu sein. Etwas, das man in der Schule nicht immer beigebracht bekommt.
Hast du dich für dein Lieblingsmedium entschieden, so spüre einfach immer und immer wieder nach, wohin es dich wirklich führt. Vielleicht zieht es dich intuitiv zum bevorzugten Geschlecht. Vielleicht zieht es dich mehr zu YouTube, zu Instagram oder Twitter. Vielleicht zieht es dich wieder weg. Vielleicht zieht es dich aus. Oder es passiert einfach gar nichts.

Mit: Marie Böffgen
PROSA.

Der Hut

Elegant und doch bestimmt, sanft geneigt, aber recht dominant von sich weg zeigend, dringt der Schlüssel in das Schloss. Mit einem kräftigen Stoß öffnet er die Tür und füllt die leere und noch vom Spülen feuchte Schale. Das Ticken der Uhr wird immer schneller, ihm läuft die Zeit davon. Zielstrebig und doch wahnsinnig, packt er zu, rammt ihn ins Schlüsselloch, dreht und spuckt, während er sich umwendet, auf den Boden. Doch, was er vergaß, war sein Hut.

PROSA.

Wenn die Möglichkeiten es unmöglich machen, eine Entscheidung zu treffen

Die Gardinen werden zugezogen, die Lampen ausgemacht und somit verschwindet jede Lichtquelle. Ich befinde mich in einem kreisrunden Raum, in dem aus jeder Himmelsrichtung eine Tür irgendwohin führt. Dazwischen ist jeweils ein Fenster auszumachen. Jedes davon hat die Größe einer Tür, jedoch unterscheiden sich die Fenster durch spinnennetzdicke Gitterstäbe, durch die man nicht hindurch treten kann. Meine Augen spielen Taschenlampe. Mit dem linken Auge erhelle ich den Raum, in dem ich alleine und ohne Hilfe stehe. Mit dem rechten kann ich sehen, wohin mich die jeweiligen Wege führen werden, wenn ich durch die Tür schreiten würde. Mit zwei offenen Augen sehe ich nur Schwärze. Schließe ich beide Augen, wird mir offenbart, was hinter den Fenstern geschieht.
Es gibt so viele Möglichkeiten, doch da ist eine einzige Regel, der es sich zu unterwerfen gilt, sonst werde ich irgendwohin geschickt. Diese besagt, dass ich nur zwei Mal blinzeln darf, sonst blühe mir die Entscheidung des Zufallsgenerators. Ich überlege und habe dabei die Augen offen. Obwohl ich weiß, dass ich keine Chance habe, hinter die Türen oder durch die Fenster zu blicken, strenge ich mich an, vielleicht doch auf Hinweise zu stoßen, die sich in der Schwärze bemerkbar machen könnten. Jedoch werde ich enttäuscht. Leider habe ich keine Ahnung, was mich wo erwarten würde oder wie sehr sich die Wege voneinander unterscheiden. Reflexartig muss ich nach einigen Sekunden die Augen schließen. Nacheinander wird es Morgen hinter den Fenstern zwischen den Türen. Ein Blinzeln ist schon verbraucht. „Was nun?“, frage ich mich nervös. Und was bedeutet es überhaupt, wenn ich die Welt hinter den Fenstern durch mein inneres Auge sehe? Mir kommt ein wiederkehrender Gedanke, dass ich weise entscheiden sollte. Das erscheint mir jedoch schier unmöglich in dieser Situation
Inzwischen ist die Sonne hinter den Fenstern aufgegangen und die Aussichten erleichtern meine Entscheidung auch nicht gerade. Nordöstlich erkenne ich dichten Fichtenwald mit seltsamen Luftballons zwischen dem Geäst. Es herrscht dort eine gespenstische Stille. Zwischen Osten und Süden mache ich viel graue Landschaft aus mit vereinzelten Rollstühlen, die scheinbar unabhängig voneinander dort stehen. Das nächste Fenster zeigt mir einen Laden mit Kostümen für Marionetten, die alle ein wenig an Priester- oder Pfarrersroben erinnern. Hinter dem letzten Fenster verbirgt sich blauer Nebel, der sich zyklisch in Tröpfchen zusammenzieht. Diese verwandeln sich wiederum schwerelos in umherschwebende Glaskugeln. Diesem Kreislauf zuzusehen, lässt mich beinahe in Trance verfallen. Doch ich wehre mich dagegen und öffne aus Versehen dabei mein linkes Auge. Mein Herz bleibt stehen, ehe ich überhaupt realisieren kann, dass ich schon zwei Mal geblinzelt habe und mich jetzt, wo ich nichts außer den runden Raum sehe, entscheiden muss. Die Panik dringt in mein Tagesbewusstsein. Mit klopfendem Herzen versuche ich rational zu einer Entscheidung zu kommen, doch ich versage. Jemand öffnet mir die Augen, ich werde durch eine Tür geschickt, durch die ich bisher nichts sehen konnte und auch jetzt nicht. Alles ist schwarz.
Jemand schnippt mit dem Finger. Die Tür hinter mir schließt. Es gibt kein Zurück mehr. Keine Chance auf einen anderen Weg. Ich sage gedankenversunken „Ja“. Irgendwo fragt jemand „Was, ja“? Ich sage erneut „Ja. Ja, ich will“ und sehe mich dabei in meiner Umgebung um. Die Orgel ertönt und ich bekomme einen Kuss. Heute ist mein Hochzeitstag.

GEDANKEN.

Wo bleibt der Altruismus?

Einmal von der Muse geküsst und das Image ist befleckt. Geht nie mehr aus der Wäsche. Zukunft verbaut? Was ich als weibliches Fotomodel zum Thema altruistisches Handeln zu sagen habe:
Ist es egoistisch, sich jahrelang von den unterschiedlichsten Menschen fotografieren zu lassen,  ihnen zuzuhören, sie anzuschauen, innen und außen, deren Werke zu betrachten, nicht wegzuschauen, wenn’s um das Dazwischen geht, das Dazwischen mit sich mitzutragen, mitzuschleppen, zu schleppen, zu schleppen, bis zum Zusammenbruch, bis zum Ausbruch, … gar bis zum Bruch mit dem Menschen hinter der Kamera? Ist es egoistisch, vielen fotografierenden, wie auch immer geschlechtlich und sexuell gearteten, Menschen Ideen zuzuspielen, mit ihnen gemeinsam Konzepte kleinerer und größerer Art zu entwickeln, Bilder zu machen, sich selbst nicht nur als helfende Hand zu verstehen, sondern als helfender Körper, als individuelle, kreative Projektionsfläche für was auch immer? Was heißt überhaupt Selbstlosigkeit? Ist letztlich nur eins von vielen deutschen Wörtern, ganz sachlich gesehen. Ein Interpretationsspielundspaßraum für Philosophen und angehende Philosophinchen. Am Ende des Tages auch nur ein nahezu leerer Begriff, solange du ihn nicht mit Bedeutung oder Wertung füllst. Das macht aber für andere zu 90% trotzdem keinen großen Unterschied.
Worte vergleichbar mit leeren Bildern – oder vollen Bildern? Überfüllt sein mit Bedeutung! Das kennt man doch aus Büchern, in denen es um schöne, lange, verrückte Phasen verrückter Menschen geht. Hoffentlich.

Was hat das mit mir zu tun??

Wichtig könnte es sein, das Minenfeld im Dazwischen zu erkennen und das Copyright im Herzen nicht zu vergessen. Auch schön zu wissen ist, wenn man die EGALHEIT zu schätzen weiß. Dann ist es nämlich höchste Zeit, von einer Rolle loszulassen.

DRAMA.

Liebe für Anfänger

Eine seltsame Stille herrscht im Lehrerzimmer. Alle schauen betreten zu Boden oder zum Fenster oder auf ihr Mittagessen. Die Stimmung ist recht gruselig.

Lehrer 1:
Die Frage, die mir meine Frau tagtäglich stellt, ist extrem schwer zu beantworten. Seitdem unsere Tochter eine Familie gegründet hat, wissen wir nicht, wie wir ihr und unserem Schwiegersohn das Geheimnis der unendlichen Verbundenheit beibringen können.

Lehrer 2:
Es ist ganz einfach. Jedes Kind weiß doch, wie dieses „Geheimnis“ zu lüften ist.

Lehrer 1:
Aha!!! Das interessiert mich jetzt doch tatsächlich sehr. Sie triggern meine Neugierde bis aufs Blut.
(eine kurze, erstaunlich unsichere Gesprächspause entsteht)
Heraus mit der Sprache. Jetzt sofort!
(In Gedanken: „Und wehe, Sie sagen nicht die Wahrheit. Dann hetze ich alle meine Dämonen vergangener, fehlgeschlagener Beziehungen auf Sie.“ Ein verträumter und doch zorniger Blick breitet sich im von Falten gereiften Gesicht aus.)

Lehrer 2:
Also. (räumt sich per Körpersprache den nötigen Respekt ein. Im Grunde genommen noch ein bisschen mehr als nötig)
Sie brauchen dazu ein geeignetes Haustier für das neue Kind in der Familie. Zum Beispiel ein kleines Nagetier mit Herz. Dieser seelische Verbündete wird dann immer wieder das Kleinkind darauf hinweisen, wozu es seinen Verstand am besten einsetzen soll. Ganz einfach. (streng)

Lehrer 1:
Das ist mir jetzt zu verschwurbelt. Ich merke, Sie sind heute nicht so ganz bei der Sache. Benötigen Sie vielleicht eine etwas längere Pause für den heutigen Arbeitsalltag? Ich kann es mit dem Schulleiter abklären. Oder ein paar Schmerztabletten? Schlaftabletten? Ich habe alles von der Apotheke gebunkert, was man im Notfall gebrauchen kann. Meine Frau hat doch früher dort als Putzfrau gearbeitet. Ich weiß ganz genau, worauf es im Leben ankommt. Auf die Gesundheit des physischen Körpers. Nur darauf. Der Rest ist unwichtig.

Lehrer 2:
Ihr Körper ist jetzt einmal still. Das heißt: Ihr Mund bleibt zu. Ihre Zunge drückt sanft gen Gaumen. Und ihre Beine verweilen ruhig der Symmetrie entsprechend mit möglichst eindeutigem Kontakt zum Boden. Ihr Po befindet sich dabei auf dem Kissen oder der harten Sitzoberfläche. Je nach Präferenz.
So. Sobald Sie dieses Hexenwerk vollbracht haben, hören Sie mir bitte ganz genau zu. Und ich bitte Sie inständig darum, nicht das Atmen dabei zu vergessen. Sonst kann es zu Unfällen der abenteuerlichsten Art kommen.
Regie: Lehrer 1 schweigt voller Ehrfurcht. Er weiß nicht genau, ob er lachen oder weinen soll. Doch eine Millisekunde, nachdem dieser Gedanke der Vergangenheit angehört, kennt er die Antwort. Weinen reinigt.
Ich freue mich ungemein über Ihre Hingabe zur liebevollen Mitarbeit. Das ist wahrlich das absolute Gegenteil von Vertrauensmissbrauch.
Aber zurück zum Thema: Liebe, auch bekannt als unendliche Verbundenheit im Geiste, kann man lernen. Man kann zumindest lernen, sie zu verstehen. Am besten fängt man dabei klein an. Wenn das Kind ihrer Tochter ebenso klein ist, dann haben wir hier die idealen Voraussetzungen. Grundsätzlich ist eines zu beachten. (zwinkert auf mysteriöse Art allen Anwesenden und Abwesenden gleichzeitig zu)
Ist der eigene Bezug zu einem tierischen Seelenbegleiter einmal hergestellt, so lässt er sich kinderleicht auf ein beliebiges Gegenüber übertragen. Allerdings muss das Gegenüber auch offen dafür sein und den Ball der Liebe zu fangen im Stande sein.

Ein Schwarm wilder weißer Friedenstauben saust am Fenster vorbei. Alle werden wach und fallen aus ihrer Starre heraus. Lehrer 2 flüstert liebevoll in jedes Ohr folgende Worte: #endzeit #vibes. Lehrer 1 verweilt verstört und doch immer klarer im Kopf im Stuhl der Erkenntnis.

Stimme aus dem Off: Die Welt steht auf Affenpocken! Geil, wie alle darauf hineinfallen. Der Ständer der widerlichen Lügen wird nicht schlapp. Drehen wir morgen den nächsten Porno?

Alle stehen auf Sex…
Definitiv stehen alle auf Sex!
Alle stehen doch auf Sex,


Ist es nicht so?

DRAMA.

Wissenschaft

FAZ: Wie kreiert man ein Perpetuum Mobile?
Technik: Indem man etwas opfert, was schon da ist. Zum Beispiel nimmt die künstliche Intelligenz ein natürliches Messer in ihre Alien-Hand und schneidet damit in den Arm einer realen Frau. Dann geht es darum, dass die böse Zwillingsschwester diesen Ball fängt und dann, meine sehr verehrten Lehrer der Neuzeit, zielt diese politische Rede darauf ab, Folgendes in die Wirklichkeit zu übersetzen:

RATGEBER.

Wahnsinn ist ansteckend

Orientierungshilfe für Desorientierte

Dies ist keine Triggerwarnung. Triggerwarnungen sind selbst Trigger. Denn Warnungen sind Trigger. Warnungen lösen Angst aus. Was ist Angst? Nichts Gutes. Was ist gut? Das gilt es herauszufinden.

„Bei der Zahl 1 fängt das Zählen an.“ (Zitat aus der 1. Klasse)
„Links ist da, wo der Daumen rechts ist.“ (Zitat aus der Allgemeinheit)
„Die Familie besteht zu Beginn aus drei Komponenten.“ (Zitat aus der Esoterik)

RATGEBER.

Leidest du unter einer chronischen Peinlichkeitsphobie?

Wege zur Überwindung von Scham

Zunächst einmal benötigst du dafür ein Bett. Lege dich hin, mach es dir gemütlich. Achte auf deinen Atem. Musik, wie zum Beispiel binaurale Töne können dir helfen, deine Gehirnhälften zu synchronisieren. Dann kommt das Entscheidende:
Sobald du in der Meditation weit fortgeschritten bist, reise ins antike Rom. Dabei solltest du eher vermeiden, Gedanken und Assoziationen zur römisch-katholischen Kirche zu verschwenden. In der Vergangenheit angekommen, suchst du dir einen Gelehrten aus, mit dem du dich persönlich gut identifizieren kannst. Dann übernimmst du einfach seine Rolle und seinen Körper. Ohne zu fragen. Tut ja niemandem weh. Danach achtest du auf deine Umgebung. Zum Beispiel auf die Funktionen der damaligen Räume in der antiken Architektur. Hast du einmal herausgefunden, wo die Toiletten sind, so folgst du einfach ganz unbeschwert deinen körperlichen Bedürfnissen. Irgendwann wirst du festgestellt haben, dass es nichts gibt, was dich peinlich berühren müsste. Denn jeden Scheiß, den du dort (in der römischen Therme) nicht selbst von dir gibst, wird ein anderer tun. Das heißt du kannst dich ruhig entspannen. Wenn du aus der Trance aufgewacht bist, darfst du dich ebenfalls zurücklehnen. Du darfst dich dem Alltag wieder hemmungslos hingeben. Denn was gibt es Befreienderes als befriedigende Geschäfte?