RATGEBER.

Wahnsinn ist ansteckend

Orientierungshilfen für Desorientierte

Dies ist keine Triggerwarnung. Triggerwarnungen sind selbst Trigger. Denn Warnungen sind Trigger. Warnungen lösen Angst aus. Was ist Angst? Nichts Gutes. Was ist gut? Das gilt es herauszufinden.

„Bei der Zahl 1 fängt das Zählen an.“ (Zitat aus der 1. Klasse)
„Links ist da, wo der Daumen rechts ist.“ (Zitat aus der Allgemeinheit)
„Die Familie besteht zu Beginn aus drei Komponenten.“ (Zitat aus der Esoterik)

RATGEBER.

Leidest du unter einer chronischen Peinlichkeitsphobie?

Wege zur Überwindung von Scham

Zunächst einmal benötigst du dafür ein Bett. Lege dich hin, mach es dir gemütlich. Achte auf deinen Atem. Musik, wie zum Beispiel binaurale Töne, kann dir helfen, deine Gehirnhälften zu synchronisieren. Dann kommt das Entscheidende:
Sobald du in der Meditation weit fortgeschritten bist, reise ins antike Rom. Dabei solltest du eher vermeiden, Gedanken und Assoziationen zur römisch-katholischen Kirche zu verschwenden. In der Vergangenheit angekommen, suchst du dir einen Gelehrten aus, mit dem du dich persönlich gut identifizieren kannst. Dann übernimmst du einfach seine Rolle und seinen Körper. Ohne zu fragen. Tut ja niemandem weh. Danach achtest du auf deine Umgebung. Zum Beispiel auf die Funktionen der damaligen Räume in der antiken Architektur. Hast du einmal herausgefunden, wo die Toiletten sind, so folgst du einfach ganz unbeschwert deinen körperlichen Bedürfnissen. Irgendwann wirst du festgestellt haben, dass es nichts gibt, was dich peinlich berühren müsste. Denn jeden Scheiß, den du dort (in der römischen Therme) nicht selbst von dir gibst, wird ein anderer tun. Das heißt du kannst dich ruhig entspannen. Wenn du aus der Trance aufgewacht bist, darfst du dich ebenfalls zurücklehnen. Du darfst dich dem Alltag wieder hemmungslos hingeben. Denn was gibt es Befreienderes als befriedigende Geschäfte?

GEDANKEN.

Lebenskunst

Es ist kein Hexenwerk zu spüren, welch Chaos auf der Welt herrscht

Im Großen wie im Kleinen.
Im Außen wie im Innen.
Auf Ebenen in Dimensionen.
Auf Ebenen in Photoshop-Programmen der Kunsthochschulen dieser Welt.
In Sprachen der Bipolarität.
In Sprachen von Geschlechtern.
In Viren der Krankheit.
In Pollen der Gesundheit.

Welches Gerücht hat sich bei Dir gehalten?
Welches Video geht bei Dir viral?
Was fehlt Dir, um zu verstehen?

DRAMA.

Schutzbrillen im Gespräch

A: Fragen Sie mich nichts mehr. Ich reagiere allergisch auf erwartungsvolle Augen. Man bräuchte eine Brille, die die Augen des Gegenübers ausblendet oder schwärzt. Ja, das wäre eine wundervolle und sorgenfressende Erfindung für die Menschheit. Vielleicht noch ein paar Glitzerperlen an den Rand des Brillengestells und fertig ist der neue Trend.
Wieso sollte man sich ständig dem unsichtbaren Aussagestrom seines Gesprächspartners aussetzen, wenn man ihn auch abstellen könnte?

B: Eine ausgezeichnete Idee, wie ich finde. Ihnen gebührt mein voller Respekt. Wie immer.

A: Sie müssen mir nicht nach dem Mund reden. Es reicht, wenn Sie Ja oder Amen sagen. Dann weiß ich Bescheid und Sie müssen sich nicht allzu sehr anstrengen, mir irgendwo hinzukriechen.
Also zurück zur Technologie. Wahrscheinlich ergibt es wenig Sinn, die Augen schwarz erscheinen zu lassen. Man sähe sowieso noch die Bewegung und die Blickrichtung. Das wäre schon zu viel der Preisgabe.
Nebenbei gesagt bin ich dafür, dass das Tragen der Brille auf Gegenseitigkeit beruhen sollte. Von mir aus können Liebespaare ohne Schutz Blickverkehr betreiben, aber ich schätze, es würde jeder nicht-intimen Beziehung gut tun, den Blickkontakt zu unterlassen.
Man denke nur an die weiten Felder des menschlichen Verstandes, die sich dermaßen ausweiten würden, dass die Ratio nicht mehr durch die soziale Komponente eingeschränkt ist.
Aber wie auch immer die Zukunft damit aussehen mag, kümmern wir uns erst einmal um die Konstruktion des Modells.

B: Ich muss mich entschuldigen. Ich bin irgendwie überfordert von Ihren Gedanken.

DRAMA.

Veräppelungsstrategien in der Messenger-Kommunikation

Regie:
Frau mit Krawatte und Anzug steht vor einem Whiteboard mit Stift in der Hand.

Frau:
Herzlich Willkommen, meine sehr verehrten Damen und Herren.
Heute greife ich wieder, exklusiv für Sie – ganz tief – in die Trickkiste der Chatroom-Veräppelungsstrategien.
Jeder von uns kennt das traurige Gefühl, wenn man nach einem zunächst lebhaften Chatverlauf plötzlich keine Antwort mehr erhält – aus heiterem Himmel. Ohne einen logisch nachvollziehbaren Erklärungsansatz dafür finden zu können, fragt man sich dann meist noch wochenlang nach dem überraschenden Ereignis: Worin besteht eigentlich der Sinn dieser grausamen Ignoranz?
Nun, meine sehr verehrten Zuschauer: Auch ich kann Ihnen keine Antwort auf diese legitime Frage geben. Jedoch kann ich Ihnen beibringen, wie Sie dieses Verfahren selbst anwenden können, falls es Ihnen bedauerlicherweise viel zu leicht fallen sollte, einen bestehenden Kontakt aufrecht zu erhalten:
Zunächst einmal benötigen Sie hierzu ein geeignetes Soziales Netzwerk, beispielsweise Facebook.

Regie:
Mensch mit Smartphone ist zu sehen. Die Person klappt das Handy auf. Checkt ihre Facebook-Nachrichten, klappt es zu und wieder auf, checkt wieder Nachrichten. Insgesamt drei Wiederholungen mit steigernder Mimik. Enttäuschung und Sucht kommen zum Ausdruck. Lächerlich wichtig nimmt sie es.

Frau:
Nachdem Sie nun lange genug auf eine Nachricht von einer Ihnen weniger nahestehenden Person gewartet und ebendiese dann doch endlich irgendwann empfangen haben, greifen Sie also seelenruhig und gefasst zu Ihrem Smartphone.

Regie:
Mensch greift zu, wie besessen.

Frau:
Als nächstes lesen Sie die Nachricht der Ihr bekannten Person und stufen erstere als eine unwichtige Nachricht ein. Dies tun Sie mit einem Stolz und einer Erhabenheit, die Sie von Ihrem schlechten Gewissen befreien, jemanden eiskalt zu ignorieren.

Regie:
Mensch liest Nachricht, nickt und legt Handy weg.

Frau:
Nachdem Sie nun diesen ersten Schritt zur Vorbereitung des Ghostings getan haben, folgt der nächste:
Verbinden Sie sich nun sowohl Augen als auch Ohren und nehmen Sie ein Stück Obst in den Mund, zum Beispiel eine Orange.

Regie:
Mensch tut dies.

Frau:
Somit können Sie nun weder eine Vibration noch einen Klingelton ihres Smartphones hören, noch das Erscheinen einer Pushnachricht sehen, noch sonstigen Kontakt mit der Außenwelt aufnehmen.

Regie:
Mensch liegt in dieser Aufmachung im Bett.
Frau leitet mit einer aufgesetzten Handbewegung das Schlusswort ein.

Frau:
Ein herzliches Dankeschön fürs Zuschauen – Ich hoffe, der Beitrag hat Ihnen gefallen – Abonnieren Sie gerne meinen Kanal, meinen Newsletter und den Instagram-Kanal meiner Katze – Bleiben Sie gesund und munter – Auf ein nächstes Mal, wenn es wieder heißt: „Unsozial auf Social Media – auch DU schaffst es!“

GEDANKEN.

Ohne Seele keine Kunst

Welchen Anspruch ich an meine oder fremde Kunst habe

Es ist egal, welches Medium gebraucht wird. Ob vor mir eine Radierung, eine Fotografie oder eine Malerei liegt oder ob ich live an einer Performance teilhabe – die Technik macht lediglich einen oberflächlichen Unterschied. Tiefer geht es mir jedoch darum, dass jemand etwas zu sagen hat. Kunst darf schön sein; Kunst darf hässlich, eklig, schockierend sein; Kunst darf politisch, kritisch, provokant sein. Kunst darf alles, ja. Aber die Frage, die ich mir immer wieder stelle, geht in Richtung Sinnhaftigkeit. Natürlich liegt es im Auge des Betrachters, was als sinnvoll oder sinnlos erachtet wird. Jedoch nervt und langweilt mich vieles, was ich sehe. Wenn in einem Kunststudium darüber referiert wird, wie erhellend und erkenntnisreich es sein soll, ein Haus komplett schwarz und dann komplett weiß anzumalen, kann ich mich nur noch verständnislos abwenden. Wenn darüber diskutiert wird, ob Orange eine angenehme Farbe für eine Website ist, schalte ich schon innerlich ab. Wenn Professoren fragen, warum gezeichnete Augen ohne Kontext „so asiatisch“ aussehen, kann ich die Hochschule als einen Ort der Entwicklung nicht mehr ernst nehmen. Wieso stellen die meisten Menschen so belanglose Fragen? Wieso beschäftigen sich die meisten Menschen, auch in der Freien Kunst, mit belanglosen Themen? Wieso sind so viele Kreative einfach nur handwerklich fähig, aber ohne jegliche Inspiration, ohne Vision, ohne Seele? Mein Auftrag ist klar und meine Kunst nur ein Mittel zum Zweck. Es mangelt mir selten an Kreativität. Sie ist für mich auch nicht das Endziel, sondern etwas, das ich benutze, um zu forschen und zu kommunizieren.

PROSA.

Option

Sie dachte, es ginge nicht ohne. Dann verschwand es, tauchte ab, war weg. Der Freiheit wurde ein Weg eröffnet. Für einen kurzen Moment erschien ein Portal, durch das sie hätte gehen können. Doch sie zögerte, blickte immer wieder zurück. Sie verstand nicht, was es bedeutete. Es war eine Chance, die sie sich nicht zu ergreifen traute.
Irgendwann war alles wieder beim Alten. Erst dann – in einem stillen Augenblick – sah sie ein, dass sie etwas verpasst hatte. Es war zu spät. Aus eigener Kraft fühlte sie sich dem beschwerlichen Weg hinaus nicht gewachsen. Das Portal war eine willkommene Gelegenheit, zu fliehen. Zu ent-fliehen. Diese Erkenntnis jedoch kam zum falschen Zeitpunkt. Würde sich jemals wieder eine derartige Möglichkeit ergeben?
Sie wusste es nicht und es interessierte sie auch nicht mehr, denn ihr Gedankensumpf sog sie ein. Weltenschwer versank sie darin und bemerkte nicht einmal den Unterschied.

LYRIK.

Du bist hässlich

Du kannst eine perfekte Figur haben
Du bist trotzdem hässlich
Dich will doch niemand anschauen

Du magst wunderschöne Brüste haben
Das Wort „attraktiv“ verdienst du trotzdem nicht
Weder Mann noch Frau will dich
Nicht einmal du selbst dich

Du hast blonde, lange Haare
Dennoch strahlst du nicht
Bist einfach trotzdem hässlich

Von mir aus
Hast du sogar ein hübsches Lächeln
Mit charmanten Grübchen im Gesicht
Doch das macht dich auch nicht besser

Du bist hässlich
Du bist so
Ekelhaft
Widerwärtig
Abgrundtief
Einfach nur POTTHÄSSLICH

Denn du verachtest Menschen
– Ihn
– Sie
– Mich
Und es werden immer mehr! 😦