GEDANKEN.

Schulterzucken

Wenn ich Kunst von anderen Künstler/innen sehe, könnte ich mich oft sehr aufregen, weil es mich wütend macht, was in renommierten Galerien und Museen gezeigt wird. Elitärer Nonsense und aufgeblasene, sinn- und seelenlose Produkte von Menschen, die meinen, Kunst darf auf keinen Fall schön sein; Kunst muss so abstrakt und unverständlich und unintuitiv wie möglich sein und Kunst muss immer eine politische oder gesellschaftskritische Aussage haben, aber diese zu erkennen, zu enträtseln, darf man auf keinen Fall selbst schaffen. Da muss der Künstler persönlich her, der einen erhellt. Was will mir der Künstler damit sagen, frage ich fast schon aggressiv in Gedanken, wenn ich andere Ausstellungen als meine eigene besuche. Hat sich der oder die Künstler/in überhaupt Mühe gegeben oder waren es wieder mal nur die guten alten Connections (Vitamin B), die die Ausstellung ermöglicht haben? Von Geld will ich gar nichts sagen. Interessiert mich nicht, geht mich auch nichts an.
Letzten Endes, gehe ich, wenn die Wut und die Enttäuschung über die „zeitgenössische“ Kunst verflogen ist, mit einem Schulterzucken nach Hause und mache mein Ding.

GEDANKEN.

Schatten

Schattenhaft
Schleierhaft
Sagenumwobene Orte
Im Außen
Im Inneren
Schatten,
Da wo wir sie nicht vermuten
Licht an Stellen,
Wo keiner hinsieht
Reflexionen 
Und letztendlich
Reaktionen
Auf unsere Abgründe

GEDANKEN.

Die Banane

Die Banane raubte der Schale ihr Geheimnis, bevor der Kern verschwand – im Nebel der Schiffsbrüchigen. Regen hält das Herz am Leben, während der Tod auf jene wartet, die sich fest am blauen Mantel klammern. Sterne zieren den trüben Nachthimmel im siebten Falsch des Gesterns. Der Rausch versinkt, die Luft verfliegt, das Gelb kehrt zurück ins Jetzt. Und du bist nicht mehr wie ich.

GEDANKEN.

Buch

Ein Buch ist ein Ort,
Der Geschichten erzählt
Oder Gedanken preisgibt
Oder von Leere zeugt
Oder einfach nur schön aussieht

Ein Buch ist ein Ort,
Der zum Eintauchen einlädt
Oder zum Wegdriften
Oder zum Entfliehen
Oder zum Verschwinden

Ein Buch ist ein Ort
Der dich willkommen heißt

Ein Buch ist ein Ort,
In dem du dich verlieren kannst

Ein Buch ist ein Ort,
Den du verlassen kannst

Ein Buch ist ein Ort,
An dem du ein Stück von dir anderen
Hinterlassen kannst
An dem du einen Teil von dir
Zurücklassen kannst

Ein Buch ist ein Ort,
An dem du vergessen darfst

Ein Buch ist ein Ort,
Ein Angebot
Zur Erinnerung,
Woran auch immer du willst

GEDANKEN.

Aus Stein

Mein Mund ist wie gelähmt, betäubt, versteinert. Ich kann nicht reden, nicht lächeln, nicht schreien. Ich fühle mich wie in einem engen Gefängnis. Auch bekannt als Zwangsjacke. Da komme ich so schnell nicht raus. Ich stecke fest. Vielleicht bin ich auch schon festgewachsen, wer weiß.
Jedenfalls ist diese Jacke aus Stein. Kein Entkommen möglich. Eingemauert.
Irgendwann in ferner Zukunft bröckeln vielleicht einzelne Steine, aber ganz ablegen können werde ich sie nie.

GEDANKEN.

Eine Zugfahrt

Wir verlassen das Haus und brechen auf
Wir fahren Zug und haben keine Langeweile 
Wir hören Musik und fühlen uns gut
Wir denken nicht an Probleme von gestern, heute oder morgen 

Eine Zugfahrt
Die ist lustig
Die ist schön
Hören wir Musik
Ist sie episch
Ist sie traurig 
Schauen wir aus dem Fenster
Sehen Wald & Wiese
Sehen Feld & Welt
Sehen Bach & werden dabei schwach
Vielleicht auch wach
Eine Zugfahrt 
Die ist lustig
Die ist schön

GEDANKEN.

Mund

Du hast doch einen Mund!
Dein Mund ist zum Reden da,
Zum Diskutieren
Zum Streiten,
Zum Schreien,
Zum Rechtfertigen.

Dein Mund ist da,
Damit du etwas sagst,
Damit du dich wehrst,
Damit du für dich einstehst,
Du hast doch einen Mund!
Benutz’ doch deinen Mund.

Halt doch deinen Mund.

Foto: Martina Grabinsky