PROSA.

Ein Spiel zwischen Raum und Zeit

Dort oben waren sie zu Hause. Sie flogen manchmal rhythmisch, manchmal durcheinander, manchmal ruhig kreisend über meinem Bett umher. Bunte Schatten. Ohne Augen, ohne Ohren, ohne Mund, ohne Nase, ohne Gesicht. Ohne Kopf. Die Gliedmaßen veränderten sich stets. Alles war im Fluss und im Einklang miteinander. Es machte Spaß, zuzuschauen. Es war beruhigend. Es gefiel mir. Es inspirierte mich. Es regte meine Fantasie an, bis ich in einen tiefen Schlaf fiel.
Irgendwann, bevor ich aufwachte, hatte ich noch einen bemerkenswerten Traum. Er handelte von einem dieser Wesen, dessen Schatten ich zuvor beobachtet hatte. Dieses Wesen war nicht unsichtbar, aber ich konnte es mit meinen Augen nicht wahrnehmen.Auch konnte ich es weder riechen noch schmecken noch hören. Das einzige, was mir möglich war, schien das Tasten durch Raum und Zeit zu sein. Das Wesen führte mich in einem Dreieck durch die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Es war eine Art Spiel für dieses außergewöhnliche Geschöpf. Das Spiel ähnelte einem Hüpfspiel, das kleine Kinder auf der mit Kreide bemalten Straße spielen. Ich kam mit dem Hin und Her Springen nicht so gut zurecht. Es war ungewohnt und bereitete mir Schwindel. Andererseits war ich auch abenteuerlustig und interessiert an vergangenen und noch werdenden Zeiten. Das Wesen wirbelte mit mir herum und als es mir dann doch zu viel wurde, wachte ich auf und konnte mich kaum noch an die Inhalte der verschiedenen Zeiten erinnern. Was blieb, war eine Begegnung mit einem verspielten, freundlichen und übernatürlichen Wesen.
Seitdem wartete ich jeden Abend in meinem Bett auf ebendiese bunten Schatten oben an der Decke. Sie kamen aber nie mehr zurück. Keiner von ihnen.