BLOGTOBER.

5. Option

Sie dachte, es ginge nicht ohne. Dann verschwand es, tauchte ab, war weg. Der Freiheit wurde ein Weg eröffnet. Für einen kurzen Moment erschien ein Portal, durch das sie hätte gehen können. Doch sie zögerte, blickte immer wieder zurück. Sie verstand nicht, was es bedeutete. Es war eine Chance, die sie sich nicht zu ergreifen traute.
Irgendwann war alles wieder beim Alten. Erst dann – in einem stillen Augenblick – sah sie ein, dass sie etwas verpasst hatte. Es war zu spät. Aus eigener Kraft fühlte sie sich dem beschwerlichen Weg hinaus nicht gewachsen. Das Portal war eine willkommene Gelegenheit, zu fliehen. Zu ent-fliehen. Diese Erkenntnis jedoch, kam zum falschen Zeitpunkt. Würde sich jemals wieder eine derartige Möglichkeit ergeben?
Sie wusste es nicht und es interessierte sie auch nicht mehr, denn ihr Gedankensumpf sog sie ein. Weltenschwer versank sie darin und bemerkte nicht einmal den Unterschied.

BLOGTOBER.

3. Du bist hässlich

Du kannst eine perfekte Figur haben
Du bist trotzdem hässlich
Dich will doch niemand anschauen

Du magst wunderschöne Brüste haben
Das Wort „attraktiv“ verdienst du trotzdem nicht
Weder Mann noch Frau will dich
Nicht einmal du selbst dich

Du hast blonde, lange Haare
Dennoch strahlst du nicht
Bist einfach trotzdem hässlich

Von mir aus
Hast du sogar ein hübsches Lächeln
Mit charmanten Grübchen im Gesicht
Doch das macht dich auch nicht besser

Du bist hässlich
Du bist so
Ekelhaft
Widerwärtig
Abgrundtief
Einfach nur hässlich

Denn du verachtest Menschen

Ihn
Sie
Mich
Und es werden immer mehr

BLOGTOBER.

2. Tänzerin

Die Wand war nicht das Problem.
In einem kurzen, bis zur unermesslich hohen Decke mit Wasser gefüllten Flur bewegte sich eine Akrobatin. Von eleganten bis fast schon kämpferisch starken Figuren posierte sie für das stumme Publikum. Das stetig zu verdrängende Wasser um sie herum gehorchte ihr widerstandslos.
Nach und nach erkannte man eine überspielte Anstrengung, die sich zunächst langsam und dann immer schneller steigerte.
Vielleicht wurden ihre Bewegungen hastig.
Vermutlich klopfte sie dann und wann wie in Zeitlupe gegen die schweigende Scheibe.
Möglicherweise öffnete sie ein paar Mal den Mund, als wollte sie atmen.
Wahrscheinlich schrie sie jemanden an. Oder bat um Hilfe.
Ich glaubte im Hintergrund jemanden gehört zu haben. Eine männliche Stimme. Lachend. Und versichernd, dass sie das schon durchhält. „Noch eine Weile.“

BLOGTOBER.

1. Elite oder Niete

Reich an diesem. Arm an jenem.
Schönes Haus. Ekelhafte Worte. Kompetent im Beruf. Unfähig mit Gefühlen. Gesunde Leistungen. Kranke Freundschaften. Intelligent wie ein Roboter. Stumpf wie die Leere in jeder deiner Gesten. Weiß, Schwarz, Weiß, Schwarz.
Erlernte Professionalität. Aufgesetzte Maske.
Wo ist das wahre Ich? Wer bist du dahinter? Wie bist du? Wie fühlst du wirklich? Was interessiert dich? Was tust du, wenn die Repräsentation keine Rolle mehr spielt?

Welche Rolle könntest du niemals ablegen?

Angemessene Reaktionen. Berechenbares Verhalten.
Antrainierte Blicke, Gesten, Lächeln, Worte.
Funktionieren in einer Gesellschaft. Geschafft – es läuft.
Massen-Ware-Massen-Menschen.
Mich interssiert, wer ihr wirklich seid. Hinter der Fassade.
Floskeln. Smalltalk. Trivialgespräche – das zivilisierte Leben erhaltend.
Auf der anderen Seite: Bilder von Künstlern mit einem Fünkchen mehr Echtheit. Eine Spur gehaltvoller als das tägliche Geschwätz einer Person, die sich elitär fühlt.

Doch warum kommunizieren Leute in verschiedenen Meta-Sprachen?
Und ich frage mich selbst: Ist es Verachtung oder ist es Neid? Will ich die Sprache der Elite beherrschen?